Gustav Winter

Hier ein Auszug aus dem "Stern"-Artikel von 1971, der über die Geldgeschäfte deutscher Aussteiger auf den Kanarischen Inseln berichtet.

"In seinem grauen Anzug, eine abgegriffene Tabakpfeife zwischen den Zähnen, sieht Gustav Winter aus wie ein wintermüder deutscher Spätrentner im Urlaub.
Doch der Mann aus Neustadt im Schwarzwald, mit 75 Jahren noch recht drahtig, lebt seit einem Viertel- jahrhundert auf den Kanarischen Inseln, ist bei Spaniern nur unter dem Namen Don Gustavo bekannt, besitzt bei einer spanischen Bank ein Millionen-Konto und auf Fuerteventura 2300 Hektar Land und hat eine abenteuerliche Lebensgeschichte.

Don Gustavo, so heißt es, habe mit dem Geld von Göring den Grundstock zu seinem Reichtum gelegt. (...) Spanische und deutsche Inselbewohner erzählen: 1943 kommt ein deutscher Offizier nach Fuerteventura. Der Offizier heisst Gustav Winter. Er hat einen Koffer voll Geld. Das Geld, so munkelt man bis heute, stammt aus Görings Kriegskasse. Auf der menschenleeren Fuerteventura-Halbinsel tut sich angeblich fortan Geheimnissvolles. Stacheldrahtzäune werden gezogen, an einer einsamen Felsenküste wird ein festungsähnliches Haus gebaut, zwischen Meer und Haus ein Tunnel gegraben. Der deutsche Offizier Winter, so sickert durch, legt im Auftrag seines Heeresoberkommandos und mit Francos Segen einen Stützpunkt für deutsche U-Boote an, die im Atlantik operieren. Und als der Krieg zu Ende geht, kauft Winter angeblich mit dem Geld aus der Kriegskasse schnell einen Teil der Halbinsel Jandia.

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"»Alles Humbug«, sagt Gustav Winter heute dazu. »Die Halbinsel Jandia habe ich 1937 gepachtet, um dort einen Hochsee-Fischerei-Stützpunkt zu errichten. Ich bin erst 1947 wieder nach Jandia gekommen. Im Laufe der Jahre habe ich dann mehr als eine Million Mark aufgewandt, um die Halbinsel zu erschließen. Für die vielen Investitionen wurden mir, als 1962 der Pachtvertrag auslief, die 2300 Hektar Land auf Jandia überschrieben.«

Und auch für das geheimnissvolle Haus am Meer hat Winter eine eigene Erklärung: »Das habe ich Ende 58 gebaut, weil ich ein Naturliebhaber bin.«

Doch auch diese Aussage des Don Gustavo ist zweifelhaft. Der deutsche Filmproduktionsleiter Hans Wernicke, der seit Jahren auf Gran Canaria lebt, fand nach eigenem Bekunden noch vor ein paar Jahren bei einem heimlichen Besuch in der leerstehenden Winter-Festung Kisten mit deutschen Wehrmachtsuniformen und Musikinstrumenten."

(Vielen Dank an Klemens J. für die Bereitstellung des Stern-Artikels)